Forschungserfolg auf dem Weg zu neuem Reserve-Antibiotikum
Die Chemiker der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben einen wichtigen Forschungserfolg im Bereich der Bekämpfung resistenter Bakterien erzielt. Erstmals ist es dem Team um den Wissenschaftler und CDS - Mitglied Prof. Dr. Dieter Schinzer vom Institut für Chemie gelungen, zentrale Bausteine des Naturstoffs Neosorangicin A im Labor herzustellen. Dies ermöglicht es, Neosorangicin A als vielversprechenden Kandidaten gezielt zu einem Reserve-Antibiotikum weiterzuentwickeln und Antibiotikaresistenzen effektiv zu bekämpfen.
Für die künstliche Herstellung des Wirkstoffs nutzten die Wissenschaftler eine sogenannte Relay-Synthese: Statt sofort das gesamte komplexe Molekül aufzubauen, synthetisierten sie zunächst entscheidende Teilstücke, die als Zwischenstationen auf dem Weg zum vollständigen Wirkstoff dienten. Der Forschungserfolg liegt damit nicht allein in den hergestellten Bausteinen, sondern ebenso im lückenlosen Nachweis dieses Entstehungsprozesses.
„Wir haben es hier mit einem Molekül zu tun, das biologisch extrem spannend, chemisch aber außerordentlich schwer zugänglich ist“, erklärt Prof. Dieter Schinzer. „Der jetzt entwickelte Syntheseweg ist die Voraussetzung dafür, den Naturstoff gezielt zu verändern, stabiler zu machen und damit für die weitere Wirkstoffentwicklung überhaupt erst nutzbar zu machen.“
Bis zu einem einsatzfähigen Medikament sei es jedoch noch ein weiter Weg, so der Chemiker. Die erfolgreiche Synthese von Neosorangicin A liefere dafür aber eine entscheidende Grundlage: Sie macht den bislang schwer zugänglichen Naturstoff chemisch verfügbar und veränderbar, sodass künftig stabilere Varianten entwickelt, biologische Wirkungen getestet und mögliche neue Wirkstoffkandidaten systematisch untersucht werden können.
Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal Chemistry – A European Journal (Verlag Wiley-VCH) veröffentlicht. Das Forschungsprojekt wurde unter anderem im Rahmen der Initiative „KMU-innovativ“ durch das BMBF/BMFTR sowie durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.
